Ich erinnere mich daran, wie mein Opa an der Schreibmaschine saß und zu schreiben begann. Damals konnte ich noch nicht lesen, also fragte ich ihn, was er da tat. Er sagte: „Ich schreibe meine Memoiren.” Fragend sagte ich „Was ist das?” Er erklärte mir, dass er damit seine Lebensgeschichten, all das, was er erlebt hatte, meinte. Damit ich oder meine Kinder sie eines Tages lesen konnten, schrieb er sie auf, um ihn – wenn er einmal nicht mehr da sein sollte – kennenzulernen. „Aber Opa, du bist doch da und du gehst auch nicht weg.” sagte ich. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass er eines Tages mal „weg” sein würde. Doch als er mit stolzen 87 Jahren von uns ging, erinnerte ich mich an seine Memoiren. Später hatter sie an seinem Computer digitalisiert, aber leider nie ganz zu Ende geschrieben. Wie wichtig diese Aufzeichnungen für mich, meine Eltern und meine Geschwister tatsächlich sein würden, zeigte sich also erst, als er nicht mehr da war.

Aber wie schreibt man seine Memoiren? Worüber sollte man schreiben? Wie fängt man an? Nun, das Worüber ist jedem selbst überlassen. Man schreibt über das, was einem selbst wichtig ist, über Dinge, die man erlebt hat, wie man sie erlebt hat, und darüber, wie sie die eigenen Entscheidungen beeinflusst haben. Es mag vielleicht verschiedene Vorlagen und Fragenmuster zu dem geben, was man schreiben kann, aber am Ende ist es persönlich und subjektiv. Das Wie hingegen ist etwas komplizierter. Wenn man noch die Möglichkeit hat, mit dem Computer oder auch mit Stift und Papier seine Erinnerungen niederzuschreiben, dann sollte man sofort loslegen. (Mein Großvater war übrigens ein Maler und fügte jeder seiner Geschichten viele Skizzen und Zeichnungen bei oder wies auf bestimmte Werke hin, die er kreierte.) Die folgenden Schritte sollten dabei helfen in die Gänge zu kommen:

Schritt 1: Anfangen

Holen Sie Stift und Papier heraus oder fahren Sie Ihren PC hoch und öffnen ein Word Dokument. Man kann die Schrift vergrößern, um die Augen zu schonen. Wem das Schreiben schwerfällt oder wer es nicht mag, für den gibt es viele Alternativen. Zum Beispiel kann man eine Software benutzen, die gesprochene Worte direkt in Schrift umwandelt (diese sind auf vielen Smartphones und Tablets sogar bereits in der Notizfunktion vorinstalliert) oder man kann eine herkömmliche Aufnahme des gesprochenen Textes machen.

Schritt 2: Ideen sammeln

Sie können ganz vorne (oder ganz hinten) beginnen. Was ist das erste Erlebnis, an das Sie sich erinnern können? Was war das Schönste, das Schlimmste? Welche Reisen haben Sie gemacht, und mit wem? Wie haben Sie Ihren Mann/Ihre Frau kennengelernt? Jede Frage, die Sie sich selbst stellen, kann zu einer Geschichte werden. Falls Sie alte Tagebücher haben, lohnt es sich, auch diese zur Hand zu nehmen und sich von den Erlebnissen darin inspirieren zu lassen.

Schritt 3: Eine Geschichte auswählen

Als Nächstes geht es darum, sich für ein Erlebnis zu entscheiden und dieses niederzuschreiben oder aufzunehmen. Benutzen Sie alle Sinne und versuchen Sie so viele oder so wenige Details einzubringen, wie Sie für nötig halten. Rechtschreibung und Zeichensetzung sind hierbei irrelevant. Das können Sie später angehen oder von jemand anderem übernehmen lassen (siehe auch Schritt 5).

Schritt 4: Zur nächsten Geschichte übergehen

Der Begriff Memoiren, der sich aus dem lateinischen Wort „Memoria“ ableitet, was so viel wie Gedächtnis bedeutet, umfasst nicht nur eine Geschichte, sondern vielmehr eine ganze Reihe von Aufzeichnungen. Daher sollten Sie mindestens zwei Ihrer Erinnerungen festhalten. Schauen Sie Ihre Ideensammlung an oder vielleicht haben Sie bereits beim Schreiben eine neue Idee bekommen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und niemand kennt Ihre Geschichten besser als Sie selbst.

Schritt 5: Lassen Sie sich helfen

Ob von Tochter, Enkel, dem Nachbarn oder einem Pfleger. Nach Hilfe fragen und sie anzunehmen, ist ein Zeichen von Stärke. Ein positiver Nebeneffekt ist hier auch der soziale Umgang miteinander, von dem beide Seiten profitieren. Außerdem erlauben Sie dem Helfenden, erste Einblicke in Ihre Meisterwerke. Es wird sie sicherlich näher zusammenbringen.

Vergessen Sie auch nicht, Ihre eigenen Memoiren immer wieder zu lesen und vielleicht sogar das eine oder andere Detail hinzuzufügen. Denken Sie daran: Sie schreiben keine Autobiografie, es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um selektives Schreiben, das Ihnen im Alter Freude bereiten soll und Sie mit Aufzeichnungen ausstattet, die bei auftretender Altersdemenz helfen können, sich leichter an Erlebtes zu erinnern. In keinem Fall sollte das Schreiben Stress verursachen. Im besten Falle wird es wie bei meinem Opa, eines Ihrer meist geschätzten Erbstücke. Lassen Sie einen Teil von sich selbst zurück.

Nachfolgend haben wir Ihnen einige Anregungen zum Thema „Schreiben im Alter” im Hinblick auf eine Demenzerkrankung zusammengestellt:

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in diesem Zusammenhang unter dem Titel „Hilfe zur Kommunikation bei Demenz“ einen interessanten Leitfaden zusammengestellt.

Zudem hat der Springerverlag ein Werk veröffentlicht, das sich mit dem Thema „Schreiben mit Demenz“ befasst.

Weitere Anregungen zum Thema können Sie auch dem Werk „Biografisches und Kreatives Schreiben“ entnehmen, welches von den Studenten im Masterstudiengang an der Alice Salomon Hochschule in Berlin zusammengetragen wurde.