Pflegeblog0pxSeptember 5, 20240px
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) vereinfacht die Pflegedokumentation und reduziert den bürokratischen Aufwand im Pflegealltag. Dadurch gewinnen Pflegekräfte mehr Zeit für das Wesentliche – die individuelle Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger Menschen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die SIS funktioniert, welche Vorteile sie bietet und welche Herausforderungen bei der Umsetzung berücksichtigt werden sollten.Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) hat sich in den vergangenen Jahren als modernes Dokumentationssystem in der Pflege etabliert.
Ihr Ziel besteht darin, den Dokumentationsaufwand deutlich zu verringern und den Pflegeprozess stärker auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen auszurichten. Gleichzeitig ersetzt sie das frühere ABEDL-Modell, das häufig mit einem hohen Zeitaufwand und umfangreicher Dokumentation verbunden war.Statt standardisierte Formulare auszufüllen, konzentrieren sich Pflegekräfte heute stärker auf den einzelnen Menschen. Die SIS bildet den ersten Schritt eines vierstufigen Pflegeprozesses und schafft damit die Grundlage für eine individuelle Pflegeplanung. Bereits im Erstgespräch erfassen Pflegekräfte gemeinsam mit den Pflegebedürftigen oder ihren Angehörigen die persönliche Situation. Anschließend leiten sie daraus den individuellen Unterstützungsbedarf sowie passende Pflegemaßnahmen ab.Die Einschätzung erfolgt anhand von sechs zentralen Themenfeldern:

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Mobilität und Beweglichkeit
  • Krankheitsbedingte Anforderungen und Belastungen
  • Selbstversorgung
  • Leben in sozialen Beziehungen
  • Haushaltsführung (ambulante Pflege) beziehungsweise Wohnen und Häuslichkeit (stationäre Pflege)

Vorteile der Strukturierten Informationssammlung (SIS)

Mehr Zeit für die Pflege

Der größte Vorteil der SIS besteht darin, dass Pflegekräfte weniger Zeit für die Dokumentation und dafür mehr Zeit für die direkte Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten aufwenden können. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich der Dokumentationsaufwand im Vergleich zum ABEDL-Modell deutlich reduzieren lässt. Dadurch entstehen mehr Freiräume für persönliche Gespräche, individuelle Beratung und eine hochwertige Pflege.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Darüber hinaus richtet die SIS den Fokus konsequent auf die Wünsche, Bedürfnisse und Ressourcen der pflegebedürftigen Menschen. Pflegekräfte entwickeln die Pflegemaßnahmen gemeinsam mit den Betroffenen und berücksichtigen sowohl deren Selbsteinschätzung als auch ihre eigene fachliche Expertise. Auf diese Weise entsteht eine individuelle und personenzentrierte Pflegeplanung.

Mehr Verantwortung für Pflegekräfte

Gleichzeitig stärkt die SIS die fachliche Kompetenz der Pflegekräfte. Während das frühere ABEDL-Modell stärker auf standardisierte Abläufe setzte, fordert die SIS eine professionelle Einschätzung der individuellen Pflegesituation. Erfahrung, Fachwissen und Beobachtungsgabe gewinnen dadurch erheblich an Bedeutung.

Herausforderungen der SIS

Die Umstellung benötigt Zeit

Trotz ihrer zahlreichen Vorteile bringt die Einführung der SIS zunächst einen höheren organisatorischen Aufwand mit sich. Pflegekräfte müssen sich intensiv mit dem neuen Dokumentationssystem vertraut machen und entsprechende Schulungen absolvieren. Erst wenn alle Beteiligten die neuen Abläufe sicher beherrschen, entfaltet die SIS ihr volles Potenzial.

Sorgfältige Anwendung bleibt entscheidend

Darüber hinaus ersetzt die Strukturierte Informationssammlung keine fachliche Kompetenz. Sie unterstützt den Pflegeprozess und erleichtert die Dokumentation, dennoch treffen Pflegekräfte weiterhin alle pflegerischen Entscheidungen auf Grundlage ihrer Erfahrung und ihres professionellen Urteils.

Fazit

Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) bietet zahlreiche Vorteile für die moderne Pflegedokumentation. Sie reduziert den bürokratischen Aufwand, schafft mehr Zeit für die direkte Pflege und rückt die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig verlangt sie gut geschulte Pflegekräfte und eine sorgfältige Umsetzung. Richtig angewendet erleichtert die SIS den gesamten Pflegeprozess und trägt dazu bei, die Qualität der ambulanten und stationären Pflege nachhaltig zu verbessern.